Mit den Briefkästen verschwindet Lebensfreude

Jetzt ist es offiziell, sie sind alle weg. Vor einigen Tagen wurde berichtet, dass in Dänemark die öffentlichen Briefkästen abgeschafft wurden, weil die dänische Post keine Briefe mehr transportiert. Wer einen privaten Brief verschicken möchte, kann diesen in speziellen Shops abgeben.
Bilder zeigen trostlos in Reihen gestapelte ausrangierte rote Briefkästen mit goldenem Postlogo in einem Lager. Sie sollen meistbietend versteigert werden. Damit verschwinden die leuchtend roten Schmuckstücke aus dem dänischen Straßenbild. In Deutschland gibt es die öffentlichen gelben Briefkästen noch, wenn auch weniger als früher. In unserem Viertel sind in den letzten Jahren drei verschwunden. Einer von ihnen stand nur 50 Meter entfernt von meiner Wohnung.
Mit den Briefkästen gehen auch die handgeschriebenen Briefe und Karten verloren. Mir würde etwas Wesentliches fehlen, wenn die deutsche Post unsere gelben Briefkästen abbauen würde. All die lieben handgeschriebenen Karten mit ganz persönlichen Wünschen, die ich von meinen Freundinnen zum Geburtstag und zu Weihnachten bekomme. Ich würde es sehr vermissen, eine hübsche Karte auszusuchen, meinen Füller in die Hand zu nehmen und für eine liebe Freundin ein paar ausgewählte Zeilen zu Papier zu bringen. Danach die Karte in einen bunten Umschlag zu stecken, den ich zuvor in Schönschrift mit der Adresse beschriftet und mit einer farbigen Briefmarke beklebt hätte. Anschließend ein paar Schritte bis zum nächsten gelben Briefkasten zu gehen – und ab geht die Post.
Die Vorstellung, wie meine Freundin meinen Brief aus ihrem Hausbriefkasten holt, ihn bedächtig öffnet, Wort für Wort liest und meine Worte schließlich ein Lächeln auf ihr Gesicht zaubern, weckt in mir pure Freude.